Mittwoch, 08. Juli 2026, 23:47 Uhr
Mit ihrem sogenannten Klaufix – Treffen haben die Rappelsdorfer ihrem Dorffest einen besonderen Höhepunkt verliehen.
Als per Mail eine Anfrage beim Verein IFA-Museum in Nordhausen ankam waren wir doch schon etwas überrascht.
Prospekt (Foto: VEB IFA-Motorenweke )
In Nordhausen wurden sie offiziell als Handtransportwagen in der speziellen Abteilung Handwagenfertigung produziert, aber der Name Klaufix stand nicht in den Büchern. Rollfix oder zuletzt Unifix stand im Prospekt, Bollerwagen nannten ihn die Nordhäuser, er war bis 1990 das am meisten gebaute Konsumgut des Motorenwerkes. Aus den bescheidenen Anfängen 1957 entstand eine Serienproduktion mit Schweiß- und Lackierstraße, um den Bedarf zu decken.
Leichter Bequemer Schneller (Foto: © 1979 VEB IFA Motorenwerke )
Ursprünglich nutzte man Stanzanfälle aus der Blechverarbeitung, um nach dem Krieg die Bevölkerung mit sogenannten Konsumgütern zu versorgen, später wurden alle Industriebetriebe zur Produktion verpflichtet. Der Preis, 75 Mark der DDR, war unschlagbar für ein so solides Erzeugnis. 1955 stand es erstmals auf einer Messe. Um den Bedarf und in den folgenden Jahren die staatlichen Planvorgaben zu erfüllen, braucht es aber weitere Ideen und so umfasste die Liste der Produkte im Nordhäuser Werk etwa 30 Positionen, aber keines erreichte die Stückzahlen und wurde über einen so langen Zeitraum produziert.
1990 stand nicht nur das Motorenwerk, sondern auch die Handwagenfertigung vor dem aus. Alle Versuche etwas Vergleichbares zu produzieren, scheiterten am Preis. Tausende der alten Wagen blieben sind am Leben und sind im Straßenbild zu finden, besonders da wo sie einst heiß begehrt waren. Natürlich sind manche im bedauernswerten Zustand oder werden missbraucht, aber sind immer noch im Einsatz. So wie die Oldtimer aus Suhl oder Eisenach überleben viele die Zeit und wurden zum Klassiker. Mann findet sie nicht auf dem Schulhof oder auf Hochglanz poliert in der wohl gehüteten Garage und sondern im täglichen Einsatz.
Ein Bollerwagen ist anspruchslos, leicht zu reparieren, braucht zwar einen Rückstrahler aber keine Zulassung für den öffentlichen Straßenverkehr, keine alters Begrenzung, ist umweltfreundlich und muss nicht an die Tankstelle, um nur einige seiner Eigenschaften zu beschreiben.
Es war also nur eine Frage der Zeit, dass sich ein Verein findet, der diesem Kulturgut ein Denkmal setzt.
Im Juli 2026 trafen sich Besitzer der Überlebenden mit über 90 liebevoll restaurierten oder zu Sondernutzung umgebauten DDR-Handwagen. Sie organisierten ein Dorffest, um bei Musik und Bratwurst zu fachsimpeln und gemeinsam zu feiern.
Die Erbauer hätten sich gefreut und die Konstrukteure wären erstaunt was man so alles aus ihrer Konstruktion noch hätte alles machen. Hoffentlich macht das Beispiel der Rappelsdorfer Schule, Handwagen aus Nordhausen gibt es sicher noch genug.
Die Veranstalter (Foto: Härtel)
Zur Erklärung: Rappelsdorf, ein OT von Schleusingen hat etwa 300 Einwohner, eine fast 1000jährige Geschichte und liegt am Südrand des Thüringer des Thüringer Waldes.