Mobilität

Freitag, 08. Oktober 2021, 22:20 Uhr
Der Verein IFA-Museum am Harz e.V. organisiert nun schon viele Jahre Vorträge zu gesellschaftlichen und technischen Themen. Bedeutende Persönlichkeiten konnten inzwischen gewonnen werden. Bedingt durch die Einschränkungen in den zurückliegenden Monaten mussten die Veranstaltungen ausgesetzt werden. Am 02.10.21 präsentierte der Verein nun den ersten Vortrag nach der langen Pause.



Prof. Dr. Ing. Helmut Tschöke, ein bekannter Wissenschaftler der deutschen Automobil- und Fahrzeugindustrie, präsentierte in seinem Vortrag die aktuellen Strategien der zukünftigen Mobilität. Gleich zu Beginn seiner Ausführungen stellte er klar, dass die Entwicklung nicht allein dem Markt überlassen werden kann, sondern das die Gesellschaft gezielt und überlegt in die Entwicklung eingreifen muss.
Prof. Tschöke vermied es, sich auf die eine oder andere Seite der gegenwärtigen Diskussion in Politik und Medien zu schlagen. Er orientierte sich an den realen physikalischen und technischen Fakten und Möglichkeiten in der genannten Thematik.
Die weltweite Entwicklung der Treibhausgase, sowie ihr Einfluss auf die Erderwärmung ist inzwischen unbestritten.
Betrachtet man jedoch die weltweiten Verursacher, stellt man gravierende Unterschiede fest.
Der Vortrag konzentrierte sich natürlich besonders an der individuellen und gewerblichen Mobilität und welche Strategien die Zukunft bestimmen könnten. Zunächst ist festzustellen, die Entwicklung der Verbrennungsmotoren hat in den letzten Jahren wesentliche Verbesserungen gebracht. Sowohl der Kraftstoffverbrauch konnte gesenkt, als auch die Abgasqualität wesentlich verbessert werden. In der Folge stiegen jedoch auch der technische Aufwand und damit die Kosten. Trotzdem wird der Verbrennungsmotor nicht die Zukunft sein, wird uns aber auf Grund seiner starken weltweiten Verbreitung noch etwas begleiten.
Unbestritten geht es darum, den Verbrauch fossiler Brennstoffe und damit den Ausstoß von Kohlendioxid auf allen Ebenen insbesondere in internationaler Zusammenarbeit massiv zu reduzieren.
Für den Straßenverkehr konzentriert sich die Entwicklung vor allem auf den reinen Elektro- und Wasserstoffantrieb hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Einsatz der Brennstoffzelle. Überraschenderweise stelle Prof. Tschöke aber auch klar, dass die Förderung der Hybridfahrzeuge in der Masse der Einsatzfälle eine Mogelpackung darstellt und den Verbrauch nicht senkt.

Der Redner stellte deshalb die gegenwärtigen Vor- und Nachteile der einzelnen Konzepte gegenüber.
Die Schlussfolgerung: Die Konzentration auf eine Antriebsquelle wird es nicht geben können. Der Verbraucher muss in Zukunft genau überlegen, welches Antriebskonzept für seine individuelle Situation optimal ist.
Die in der Diskussion gestellte Frage nach den politischen und gesellschaftlichen Problemen, die sich aus der Gewinnung der notwendigen Rohstoffe für die Batterieproduktion ergeben, gehörte nicht zum Thema des Vortrages, dennoch wurde darauf hingewiesen, dass Deutschland und die EU inzwischen diesbezüglich eindeutige Positionen bezogen haben.
Insgesamt ein interessanter Nachmittag, der den Zuhörern neue Erkenntnisse zu einem elementaren Problem der nächsten Jahre gebracht hat.

Nachtrag:
Es gehört zur Tradition der Veranstaltungsreihe die Rednern durch die Ausstellung zu führen.
Prof Tschöke schreibt später in zwei Mails:
"Nochmals vielen Dank für die interessante Führung im IFA-Museum, auch da habe ich für mich manch Neues gesehen. Leider haben wir von Ihren Entwicklungen im Westen relativ wenig erfahren. Der Besuch in Nordhausen war deshalb auch technisch hoch interessant.
Bleiben Sie gesund und so aktiv mit Ihrem Museum, auch das ist ein Technik-Museum der feineren Art.
Helmut und Claudia Tschöke "