Vorwort

Nordhausen wird wahrgenommen als historisch bedeutsame 1100-Jahre alte Stadt, als ehemalige freie Reichsstadt und als Stadt des Nordhäuser Korn. Dass Nordhausen jedoch das Maschinenbauzentrum im Norden Thüringens und darüber hinaus war, gerät zunehmend in Vergessenheit. Allein IFA und NOBAS beschäftigten zusammen zur Wende mehr als 6000 Mitarbeiter. Diese große Nordhäuser Maschinenbautradition dem kollektiven Gedächtnis zu erhalten, ist ein Anliegen des IFA-Museums.

Als die IFA-Motorenwerke Nordhausen 1992 ihre Werkstore für immer schließen mussten, endete eine Ära. Sie begann mit der Herstellung von Grubenloks und Rohölmotoren, setzte sich über den Schlepperbau fort und führte schließlich zum Ausbau des Werkes als größter ostdeutscher Dieselmotorenproduzent.
Wie kaum ein anderer Ort reflektiert der „IFA“-Standort die Geschichte des 20. Jahrhunderts in all ihren Facetten von der Gründerzeit bis zum Heute.

Die Ausstellung im Überblick

Es gibt auf dem Gebiet der ehemaligen DDR nur noch wenige Museen, die die Geschichte der ostdeutschen Kraftfahrzeugproduktion am Leben erhalten. Der Verein des IFA-Museums in Nordhausen hat sich das für seinen Teil zur Aufgabe gemacht. Die am Originalstandort vorgestellten Exponate sind beispielhaft für die vielen Loks, Traktoren und Motoren die in den über 100 Jahren die Werkhallen an der Casseler-Landstraße (heute Freiherr-vom-Stein-Straße) verlassen haben.
Den Besucher erwarten mehr als 50 originalgetreu restaurierte Exponate. Darunter komplette Schnittmodelle der Dieselmotoren der 14,5er- und 13,5er-Baureihe und des legendären Famulus-Traktors. Von der sich drehenden Motor-Kurbelwelle bis zum Differentialgetriebe kann das Wirkprinzip auch heutiger Antriebstechnik anschaulich erklärt werden. Den Vereinsfreunden ist es gelungen, die Geschichte des Werkes nahezu von den Anfängen an mit realen Exponaten zu präsentieren. So sind wir besonders stolz, die Reihe der Motorlokomotiven mit der prächtigen L 308 des Baujahres 1922 zu komplettieren. Eine technische Rarität ist der im Werk produzierte Maybach 12-Zylinder Panzermotor, anhand dessen der Rüstungswahnsinn und das Schicksal der Zwangsarbeiter im zweiten Weltkrieg begreifbar wird.

Weitgehend unbekannt waren bisher die Schicksalsjahre des Werkes von 1945 bis 1947. Im Rahmen eines sowjetischen Geheimprojektes wurden in diesen Jahren im Werk A4-Raketentriebwerke gebaut. Dank Leihgaben namhafter Museen verfügen wir nun über ein filigranes Schnittmodell der A4-Turbopumpe und Fragmente der Brennkammer. Beide hochkomplizierten Komponenten wurden damals in der "Montania Werk 2 Triebwerksbau" rekonstruiert und gebaut.

Eine größere Zahl der Exponate sind Prototypen von Traktoren und Motoren, die nicht in die Serienproduktion gegangen sind. Darunter Innovationen, die dem Stand der Technik um Jahre voraus waren. Am meisten bewundert der Common Rail Dieselmotor MN 106 CR aus dem Jahr 1985. Es fehlen natürlich nicht die diversen Konsumgüter, vom Kinderroller über den Rollfix bis zu Fahrrädern. Zu jedem Exponat gibt es ein Datenblatt mit den technischen Details und dem jeweiligen historischen Kontext.

Ein 3D-Modell der "IFA" (Stand 1992) vermittelt dem Besucher eine Vorstellung von der Größe und Struktur des Motorenwerkes, in dem über 4000 Mitarbeiter jährlich bis zu 57.000 Dieselmotoren produzierten. Umfangreiches Bildmaterial und Image-Videos ergänzen die 90-jährige Geschichte des Werkes. Wechselausstellungen eröffnen neue Perspektiven und greifen aktuelle Themen auf.

Flyer (Foto: IFA-Museum)

Die Ausstellung (Foto: IFA Museum)

Die Ausstellung (Foto: IFA-Museum)

Sehen Sie sich schon mal in unserer Ausstellung um.
3D-Bild der Ausstellung

Die Loks

RL1c (Foto: IFA Museum) weitere Exponate z.B: L 308, MD 1, RL R L4 und H 2. Einige Loks sind noch funktionsfähig und werden zu besonderen Anlässen gestartet.

Traktoren aus dem Schlepperwerk Nordhausen

RS 02/22 "Brockenhexe"

Brockenhexe (Foto: IFA-Museum)Der erste Schlepper nach dem Krieg mit dem die Ära der IFA in Nordhausen begann.

RS 01/40 "Pionier"

RS 01/40 Pionier (Foto: IFA-Museum )Der Traktor "Pionier" kam über viele Umwege nach Nordhausen

RS 14/36 "Famulus"

Famulus (Foto: IFA-Museum) Die Famulus Baureihe umfasste verschiedene Typen von 30 bis 46 PS

Dieselmotoren aus Nordhausen

4 VD 14,5/12 SRW

4 VD 14,5/12 SRW - 1 (Foto: IFA-Museum )Der Motor bildete die Antriebsquelle für LKW, Traktoren , Mähdrescher und viele andere Erzeugnisse des Fahrzeug- und Maschinenbaus der ehem. DDR. Die Entwicklung begann mit einer Übergangslösung und endete im meist gebauten Dieselmotor der DDR.
4 VD/15,5 SRW (Foto: IFA-museum)

6 VD 12 / 11 GRF

6 VD 12/11 GRF  (Foto: IFA-Museum)Das erste Muster einer neuen Baureihe von Dieselmotoren. Eine Gemeinschaftsentwicklung mehrerer Betriebe und Institutionen des DDR Fahrzeugbaus.

6 VD 13,5 / 12 SRF

Der Motor war das Kernstück der neuen Baureihe von 4 - 5 - 6 Zylinder Dieselmotoren mit einer Leistungsbreite bis 280 PS.
6 VD 13,5 / 12 SRF (Foto: IFA-Museum)


Die besonderen Merkmale der Konstruktion

MN 106 CR

Der weltweite erste straßentaugliche Dieselmotor mit Common Rail Einspritzung wurde von einem Entwicklungsteam unter Federführung des ehem. WTZ Karl-Marx-Stadt entwickelt und basierte auf einem Motor aus Nordhausen. Der erhaltene Originalmotor wurde uns vom August Horch Museum Zwickau überlassen. 6 VD 12 / 11 GRF CR (Foto: IFA-Museum)

Konsumgüter aus den IFA-Motorenwerken

Rollfix "Bollerwagen"

Rollfix (Foto: IFA Museum)Dieser kleine Handtransportwagen gehörte über viele Jahre zu den beliebtesten Konsumgütern aus dem IFA-Werk.

IFA Touring

IFA Touring  (Foto: IFA-Museum) Es gehörte zu den Aufgaben aller volkseigenen Betriebe in der ehem. DDR Konsumgüter herzustellen. Eine fast vollständige Sammlung weiterer Produkte aus Nordhausen findet sich in der Ausstellung, so zum Beispiel: und als besonders Highlight das erst Fahrrad mit ABS